Farbigkeit und Design: Bei der traditionellen Anwendung der Photovoltaik (PV) spielten diese beiden Aspekte bis dato eine eher untergeordnete Rolle. Doch die bauwerkintegrierte PV (BIPV – Building Integrated PV) ist auf dem Vormarsch: Um die PV in die Städte zu bringen und die Akzeptanz der Bevölkerung für PV zu stärken wird ein signifikanter Hochlauf der Nachfrage nach BIPV erwartet. Darüber hinaus wurden die Produkte und Lösungen, die derzeit auf dem Markt verfügbar sind, enorm weiterentwickelt.
Auf der Intersolar 2024 herrschte buntes Treiben, und das im wahrsten Sinne des Wortes: Von gelb zu türkis und weiß waren auf dem letztjährigen Messetreiben Solarmodule in den ausgefallensten Farben zu bestaunen. Farbige Solarmodule sind im Trend: Denn mittlerweile wurde der Farbdruck von PV-Glas so verbessert, dass diese optisch ansprechenden Produkte nur noch 5 bis 10 Prozent weniger Effizienz im Vergleich zu herkömmlichen PV-Produkten aufweisen – auch bei sehr heller Farbigkeit.
Das Farbspektrum und damit die Verfügbarkeit individuell angefertigter BIPV-Lösungen für Fassaden kennen durch neuartige Druckverfahren keine Grenzen mehr. Die Firma Ceramic Colors Wolbring etwa hat ein Verfahren entwickelt, bei dem die auf der Rückseite des Frontglases aufgedruckte Farbschicht den gewünschten Farbton nur reflektiert, statt das Sonnenlicht zu absorbieren.
Ebenso arbeiten BIPV-Hersteller an PV-Modulen, die als solche gar nicht mehr zu erkennen sind und traditionelle Baukomponenten ersetzen. So gibt es nun PV-Dachziegel, die die eigentlichen Dachziegel ersetzen und optisch nicht von diesen zu unterscheiden sind. Dafür aber wirbt beispielsweise der polnische Hersteller Photonroof mit 30 Prozent mehr Energieertrag im Vergleich zu klassischen PV-Aufdachanlagen – dies sei auf die nahtlose Belegung des Daches sowie weniger Verluste durch Verschattung zurückzuführen. Die Dachziegel sind in Anthrazit, Schwarz oder Terrakotta erhältlich.
BIPV zwischen Massenfertigung und individuellen Gestaltungsansprüchen: Nach wie vor entwickelt sich der Markt in einem Spannungsfeld, in dem BIPV-Module nur durch ein Hochskalieren der Produktion preislich in bessere Konkurrenz zu Standartmodulen treten könnten. Laut Philippe Macé, Partner und COO des Becquerel Instituts und Fachexperte für BIPV, liegen die Kosten für standardisierte BIPV-Module derzeit noch zwei bis dreimal höher als die von herkömmlichen PV-Modulen. Gleichzeitig erfordert die Baubranche jedoch oftmals passgenaue Lösungen, die einzigartigen gestalterischen Aspekten gerecht werden müssen. Hersteller wie der italienische Modulproduzent FuturaSun versuchen sich in diesem Spagat: Derzeit erweiterte FuturaSun sein Farbangebot für das genormte BIPV-Fassadenmodul in Schwarz um die Farben Silber, Orange und Rot.
Auch die Forschung treibt die Entwicklung von BIPV maßgebend mit an: Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT und das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE haben ein vorgefertigtes Fassadenelement mit Integrierter Photovoltaik entwickelt, das Stromgewinnung, Wetterschutz und Wärmedämmung in sich vereint.
Auf der Intersolar Europe 2024 war darüber hinaus ein Trend hin zu innovativen BIPV-Montagelösungen zu erkennen, beispielsweise vom Hersteller K2 für fassadenintegrierte BIPV.